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Ein neuer Monat in La Paz in meinem Projekt, in Copacabana am Titicacasee und in Coroico in den Yung

Und nun sind es mittlerweile bald schon ganze 3 Monate, die ich hier in La Paz bin..das heißt ein Viertel von meinem FSJ ist schon fast vorbei. Die Zeit vergeht hier wirklich wie im Flug..auch wenn man es anfangs nicht geglaubt hat.
Am 21.September war hier, im Gegensatz zu Deutschland, Frühlingsanfang. Dieser Tag wurde ziemlich groß gefeiert!! Da er zugleich auch día de amistad (Tag der Freundschaft), día de estudiante und eben día de primavera (Frühlingsanfang) ist. Überall auf den Straßen herrschte ein Meer aus Herzluftballons und anderen kleinen Geschenken, die verkauft wurden. Ähnlich wie bei uns am Valentinstag. Im Projekt wurde dieser Tag einen Tag später, am Montag gefeiert. Schon viele Tage vorher wurde mit dem Planen angefangen. Wir veranstalten mit unseren Kindern nämlich einen Tanzwettbewerb, bei dem die 3 besten Tänzer einen Preis bekamen. Außerdem gab es sowohl bei uns im Projekt als auch an den Schulen der Kinder an diesem Tag ziemlich viele Süßigkeiten und Besonderheiten. Es fiel auch auf, dass die Kinder alle ziemlich schick gekleidet waren, der Tag hat daher auf jeden Fall eine ziemlich hohe Bedeutung. Ziemlich verrückt..so etwas würde es in Deutschland am Frühlingsanfang doch niemals geben..
 
Am 6. und 7. September war noch die alljährliche Wahllfahrt der fundacion arco iris nach Copacabana (kleiner Ort am Titicacasee). Früh am Samstag morgen ging es mit über 20 Bussen und allen Projekten der fundacion los Richtung Copacabana. Das heißt die ca. 1000 Leute bestanden hauptsächlich aus den Straßenkindern, Heimkindern und Familien mit denen wir in den Projekten arbeiten. Die Fahrt dauerte fast 4 Stunden bei der wir zwischendurch den Titicacasee mit der Fähre überqueren mussten. Insgesamt war die Hinfahrt an sich wirklich schon ein Erlebnis! Da Busse und Straßen eben nicht ganz so gut ausgebaut sind als in Deutschland. Am Samstag begann dann auch gleich der große Marsch mit allen Projekten durch Copacabana zur Kirche, in der Pfarrer Neuenhofer eine Messe hielt. Während der gesamten Wallfahrt hatten jeweils alle Mitglieder von jedem Projekt eine andere Hutfarbe, so dass am Ende durch alle Farben ein Regenbogen entstand. Abends fand ein Tanzaband statt, für den schon Wochen vorher die Kostüme gebastelt wurden. Aus Zeitungspapier, Milchtüten,alten CDs und anderem Müll. Jedes Projekt führte damit einen anderen traditionellen Tanz vor. Als Übernachtungsdomizil für das Wochenende wurde ein altes Kloster verwendet. Leider gab es dort nicht genügend Betten für alle, was bedeutete, dass man sich sein Bett entweder mit mehreren Personen teilen musste oder dass man auf relativ harten Heusäcken schlafen musste. Ich zog im Endeffekt das Los auf einem Heusack zu schlafen..aber ob es mit 4 anderen Personen in einem Bett wirklich bequemer war bezweifele ich ;-) Geschlafen haben wir in der dieser Nacht alle kaum. Am Sonntag stand uns nochmal viel Freizeit zur Verfügung, die wir bei dem schönen Wetter am Titicacasee genossen.
 
So und nun noch ein bisschen mehr zu meinem Projekt. Mittlerweile fühle ich mich wirklich total angekommen und wohl. Es ist auch auf jeden Fall das richtige Projekt für mich.
Ich arbeite ja im Projekt "apoyo educativo integral" und meine Aufgaben bestehen so hauptsächlich darin, die Kinder bei ihren Hausaufgaben zu unterstützen. Wir haben 3 verschiedene Klassenräume mit jeweils einem Lehrer. Die Aufteilung der Kinder in diese Klassenräume erfolgt nach ihrem Alter und ihrer Klassenstufe. Dann gibt es noch ein 4. Klassenzimmer in dem die Jungs vom casa de paso (Übergangsheim für Jungs) für ihre Hausaufgaben untergebracht sind. Kathrin und ich haben einen Wochenplan auf dem wir jeweils jeden Tag auf die 4 Klassenräume aufgeteilt sind. Es ist so, dass ein Teil der Kinder morgens zur Schule geht und so mittags zu uns ins Projekt kommt und ganz wenige gehen auch mittags zur Schule und sind somit morgens bei uns. Der Morgen verläuft daher immer recht gemütlich mit nur 3-4 Kindern in jedem Klassenraum..mittags sieht es da schon ganz anders aus mit ca. 3 mal so vielen Kindern.. :D 
Neben der Hausaufgabenbetreuung sind wir auch oft mit den Kindern die ihre Aufgaben erledigt haben im Spieleraum. Was auch immer total viel Spaß macht, da man sich dort einfach mal mit den Kindern mit Dingen beschäftien kann, die nicht mit Schule und Hausaufgaben zu tun haben. Jedoch bedeutet der Aufenthalt im Spieleraum auch wiederrum ab und zu Stress, wenn die Kinder den Drang haben zu sehr herumtoben. Da ist es dann wichtig, seinen gesamten spanischen Wortschatz zusammenzunehmen um die Kinder wieder zur Ruhe zu bringen. Auch das wurde nun mit der Zeit zum Glück alles einfacher..!! ;-) 
Zum Casa de paso gehört auch eine sogenannte "cancha" (Sportplatz), die von allen genutzt werden darf. Somit halten wir uns auch dort oft auf und genießen die Frühlingssonne draußen Vor allem nachdem alle Mittaggegessen haben, ist das unser Entspannungsplätzchen Außerdem begleiten Kathrin und ich die Kinder auch zum Arzt oder zum Zahnarzt. Dadurch ist unsere Arbeit ziemlich abwechslungsreich und es gibt wirklich selten mal einen Tag an dem es einem total langweilig ist. Mein Projekt ist zusammen mit 4 anderen Projekten im casa de paso untergebracht. Da gibt es zum Beispiel noch das Projekt "calle", das regelmäßig obdachlose Jugendliche auf der Straße besucht, ihnen etwas zu essen mitbringt und sich allgemein darum bemüht, die Jugendlichen von der Straße zu bringen. Oder es gibt das Projekt "Ex-beneficiarios", das ehemalige Bewohner des Mädchen-oder Jungenheim der fundacion arco iris betreut. Somit essen wir auch immer alle zusammen im Speiseraum im casa de paso zum Mittagessen. Zur Zeit sind wir aber auch sehr damit beschäftigt jeden Tag Volleyball zu spielen. Denn bald finden jeden Samstag die Volleyballturniere zwischen allen Projekten der Fundacion statt. Sogar das Küchenteam vom casa de paso bildet eine Mannschaft. Kann also ziemlich lustig werden :P
 
Unsere Wochenenden verlaufen immer noch ziemlich unterschiedlich. Da es im Projekt die ganze Woche über doch relativ anstrengend ist, freut man sich meistens ersteinmal auf das Ausschlafen und einfach mal einen freien Tag zu genießen. So gibt es entweder ein Entspannungs- und Faulenzerwochenende oder wir sind sehr aktiv und erkunden die Gegend rund um La Paz, das wir mit total schönen Wanderungen verbinden können.
Letztes Wochenende fand unser zweiter großer Ausflug nach Copacabana statt. Die Reise ging nach Coroico. Coroico ist ein kleines Dorf, das in den Yungas (Dschungel) liegt. Die Fahrt dauerte ca 4 Stunden und umso näher wir unserem Ziel waren umso heißer wurde es!! Es waren wirklich gefühlte 50°C ;-) auch die Landschaft war natürlich das krasse Gegenteil im Vergleich zu der Großstadt La Paz, in der es kaum Grün gibt. Sooo viel Grün aufeinmal hab ich das letzte Mal daheim in Deutschland gesehen :P :D
Nachdem wir am Samstag ein passendes Hostel mit super Ausblick gefunden haben, ging unsere Wanderung los durch die Yungas los. Zwischendurch machten wir immer mal wieder einen Stop um uns an verschiedenen Wasserfällen abzukühlen. Das machte total Spaß
Am Sonntag starteten wir dann das sogenannte "canyoning". Das war eine geführte Tour mit mehren Führeren durch einen Fluss in den Yungas. Dabei trugen wir alle Neoprenanzüge, da wir uns entweder an kleinen Schluchten abseilen oder auch klettern mussten. Es kam aber auch vor, dass wir uns einfach ins Wasser legen mussten und dann vom Strom mitgerissen wurden, das war richtig lustig :D Am Ende wurden wir dann erneut mit einer Badetour unter einem großen Wasserfall belohnt. Es war wirklich ein total schönes Wochenende mit soo vielen neuen Eindrücken von Bolivien!!

22.10.14 02:45, kommentieren

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Die ersten 5 Wochen im schönen, bunten und chaotischen Bolivien

Soo endlich, endlich kommt mein erster Blogeintrag!! Schon ganze 5 Wochen ist es her, dass ich das erste mal bolivianischen Boden betreten habe. Die Tage vergehen wie im Flug..und es passiert jeden tag so viel neues
Nach 15 Stunden Flug und einem Zwischenstop am Flughafen in Kolumbien, kamen wir in unserer zukünftigen Unterkunft für das nächste Jahr an. Der jetlag blieb so gut wie bei keinem von uns aus und an die dünne Luft mussten wir uns alle auch erst einmal gewöhnen. Der Flughafen in El Alto liegt schließlich auch 4000 m hoch und die Stadt La Paz, in der wir wohnen, ca. 3600 m. Hinzu kamen die ersten vielen Eindrücke von Bolivien! Natürlich merkt man auf den ersten Blick, dass es sich hier nicht um ein finanziell gut dastehendes Land handelt. Was aber wirklich keinem von uns etwas ausmachte, schließlich wissen wir alle weshalb wir hier in Bolivien ein FSJ machen
Insgesamt sind wir 20 Freiwillige, 18 aus Deutschland und 2 aus den USA. Wir verstehen uns alle super und sind auf eine Wohnung, die auf dem Gelände des Mädchenheims liegt (in der ich wohne) und auf ein Haus, extra für die Freiwilligen, aufgeteilt.
In der ersten Woche hatten wir ersteinmal Zeit uns einzugewöhnen und die große Stadt kennen zu lernen, dabei begleitete uns immer Verena, eine Deutsche, die sich um uns Freiwillige kümmert. Gerade in der ersten Woche häuften sich die vielen vielen Eindrücke von dem südamerikanischen Land und ich bin wirklich begeistert! Bolivien ist einfach mal was ganz anderes, wenn man es mit den Ländern in Europa vergleicht. Man hat von der Wohnung aus eine super Aussicht auf die Berglandschaft und ab und zu auch auf den Illimani.

Es ist außerdem total normal hier, dass  man einfach alles was man sich denken kann an jeder Ecke der Straße kaufen kann!! Es fängt beim Gemüse und Obst an und hört bei Waschmittel, Shampoo oder Klopapier auf. Natürlich ziemlich geschickt, wenn so alles schnell mal besorgt werden kann. Was mich zudem auch noch sehr beeindruckt, sind die vielen Frauen, die in ihren Cholitas herumlaufen. Das ist eine traditionelle Kleidung mit Hut, die wirklich noch sehr sehr viele Frauen tragen.

Die Straßen hier sind nicht immer ganz so eben, wie wir es aus Deutschland gewohnt sind. Bei den täglichen Fahrten im Minibus muss man zumindest einen stabilen Magen haben und sich auf eine chaotische Fahrt gefasst machen :D Anschnallen oder auch rote Ampeln sind hier meistens Fehlanzeige! Auto fahren muss hier auf jeden Fall gelernt sein.. oder auch nicht, denn eigentlich fährt hier jeder so zu sagen wie er gerade will..was oft zu Stau und purem Chaos führt! Verkehrsschilder gibt es kaum und man ist in dem Glauben, dass der Autofahrer, der am meisten und lautesten huppt, am schnellsten ist und Vorfahrt hat. Doch auch an das gewöhnt man sich und mittlerweile ist es wirklich zur Normalität geworden!

Nachdem wir ca 2 Wochen die ganzen Projekte der Fundación Arco Iris durchlaufen und erkundet haben, kam am 18. August schließlich der Entscheidungstag, an dem sich herausgestellte ob man sein Wunschprojekt bekommt oder nicht. Hier hatte ich ziemlich Glück, denn ich bekam meinen Favoriten. Das Projekt heißt "apoyo educativo integral" und ist eine Art Tages - und Hausaufgabenbetreuung für Kinder im Alter von ca. 6-13 Jahren. Es sind Kinder von Eltern, die tagsüber auf der Straße arbeiten müssen, in extremer Armut sind und entweder keine Arbeit haben oder auf der Straße gelebt haben.
Nun arbeite ich 2 Wochen in meinem Projekt zusammen mit Kathrin und es macht mir wirklich Spaß, mit den Kindern zu arbeiten! Am Anfang gab es schon ein paar Schwierigkeiten, weil man mit der Sprache noch etwas unsicher war und seine Aufgabe im Projekt noch nicht so richtig gefunden hat. Doch so langsam spielt sich alles ein und es geht jeden Tag mit dem Minibus von 9 bis ca. 17 Uhr zur Arbeit. Abends ist man dann natürlich ziemlich geschafft, da man durch den stoppenden Verkehr erst um 18 Uhr zu Hause ist. 

Die freien Wochenenden nutzen wir um die Gegend rund um La Paz zu erkunden. So waren wir beispielsweise schon im valle de la luna (eine mondlandschaft aus Felsen) oder auf dem Muela del diabolo (Teufelszahn, ein Felsen der aussieht wie ein riesiger Zahn). Eine andere spontane Wanderung führte uns ebenfalls durch eine Landschaft wie im Bilderbuch. Die Wanderung begann in einem Dorf außerhalb von La Paz, in dem es nur noch staubigen Boden gab und die Einwohner wohl einzig und allein durch die Haltung von Nutztieren überlebten. Flüsse und Felsen so weit das Auge reicht..richtig schön

 

1 Kommentar 3.9.14 03:14, kommentieren